Montag, 17. März 2014

Regenzeit - Zeit der Großen Wanderung



Früh morgens ziehen sie los, in Massen geht es auf zu den fruchtbaren Gründen, den weiten Ebenen. In der Nacht zuvor hatte es sehr stark geschüttet. Der Matsch spritzt bei jedem Schritt, teilweise sind die Wiesen überschwemmt, Pfützen wo man nur hinsieht. Alle wissen, jetzt ist die Zeit, in der alles gedeiht, bald wird das gelbbraune, trockene Gras wieder grün werden. Jetzt darf nur nicht der richtige Zeitpunkt verpasst werden, sonst wird es zu spät und am Ende steht man mit leerem Magen da.
Und mittendrin ein Mzungu namens Johann. Gut, ich war nicht zu Fuß unterwegs, sondern saß im Land Rover, aber es war unbeschreiblich dieses Ereignis zu beobachten und später auch ein Teil davon zu sein. Das schöne war, ich war an einem Ort, der nicht mit Touristen verstopft war, der nicht mehrere hundert Euro Eintritt gekostet hat. Und doch war es vor allem dieser Ort, an dem man die afrikanische Natur und das afrikanische Leben perfekt erleben konnte.
 
Gegen acht Uhr am Samstagmorgen ging es zu Hause los und schon vor der Tür waren die großen Wanderungen im Gange. Bewaffnet mit einem Schaufel-Hacke-Mix, verschiedenen Eimern und Säcken auf dem Kopf kamen uns ganze Familien entgegen, als Fredrick mit Baraka, der sich derzeit zu Hause um die Tiere kümmert, und mir auf den Weg zur Hauptstraße machte. Das Ziel hieß: Shamba (dt. Feld, Acker), aber vorher mussten wir noch einige Arbeiter anheuern. Zu dritt so ein Feld zu bestellen ist nahezu unmöglich an einem Tag.
 
Erster Halt: das nächste, kleine Straßendorf, mitten in einer riesigen Pfütze. Das nächste kleine Haus war komplett vom Wasser eingeschlossen. Nachdem ich ein klein wenig gewartet hatte, kam Fredrick zurück, ohne Arbeiter, dafür mit einer Rolle Schnur. Er schimpfte: „Die sind heute alle unverschämt teuer“. Gemeint waren die Feldarbeiter, die am heutigen, dem ersten und eigentlich perfekten Tag zum Bestellen der Felder, natürlich ihre Preise stark angehoben hatten. Also ging es weiter ins nächste Dorf. Wir waren schon ein wenig spät dran. Mit Hilfe eines Freundes saßen wir dann ein wenig später mit acht Feldarbeitern (5 Frauen, 3 Männer) im Wagen. Und es ging zum Feld.
Die Fahrt auf dem Feldweg war nur dank des Allradantriebs des Geländewagens möglich und Fredrick hatte riesigen Spaß daran mit Geschwindigkeit auf dem Schlamm entlang zu rutschen.
Am Feld angekommen musste erst einmal geklärt werden, was eigentlich das zu bestellende Feld sei. Dann ging es los. Mit der Schnur wurde eine Linie gezogen und dann wurden entlang der Schnur mit der Hacke kleine Löcher in den matschigen Boden gemacht. Dann wurde die Schnur parallel um ca. einen Meter verschoben und es wurde weiter gehackt/gegraben. Gleichzeitig haben zwei von den fünf Frauen unter den Arbeitern damit begonnen, den Mahindi (Mais) zu säen. Übrigens darf man sich die Felder nicht so vorstellen, wie sie in Deutschland sind. Ein Acker ist ca. 60 oder 70 Meter breit und lang, mitten drin stehen Bäume, am Boden wachsen kleine Sträucher und Teile der Maispflanzen des letzten Jahres liegen noch herum. So ging es Meter für Meter weiter. Und nach relativ kurzer Zeit waren wir am Ende des Feldes angekommen (2 Stunden oder so). Jeder hat sich ein wenig Saat geschnappt, und in jedes Löchlein wurden zwei Maiskörner fallen gelassen und das Loch anschließend mit Erde verschlossen, fertig.
Ich dachte schon, dass wir ja ganz schön schnell fertig geworden sind, musste dann aber feststellen, dass erst die Hälfte geschafft war. Pech gehabt, weiter geht’s, der nächste Acker. Das anstrengende am Säen war nicht nur das Umgraben, sondern auch das normale Gehen. An meinen Schuhen hatte sich eine fünf Zentimeter dicke Schlammschicht gebildet, die bei jedem Schritt dicker wurde, bevor dann durch einen Zufall mal ein wenig abfiel. Meine Aufgabe war das Säen. Und am Ende des Feldes waren meine Hände von dem rotgefärbten Saatmais rotgefärbt. Aber nicht nur meine Hände waren rot, auch mein Nacken und  jedes Stück Haut, das nicht von Kleidung oder einer Schlammschicht bedeckt war. Ich hatte mich, da es ja morgens bewölkt war, natürlich nicht eingecremt.
Nach Feld zwei ging es noch mit dem Auto weiter zu Feld drei. Das war vorher nicht eingeplant, die und die Arbeiter waren zerstritten, auf der einen Seite stand die Aussicht auf ein wenig mehr Geld, auf der anderen die Mehrarbeit und die aufkommende Müdigkeit. Am Ende hat das Geld gesiegt.

Abends gab es dann die zweite Wanderung. Morgens sind die Familien und Feldarbeiter teilweise sechs Kilometer oder mehr bis zu den Felder gelaufen, jetzt ging es zurück zur Straße und von da mit dem Daladala nach Hause.
Wir haben unsere Arbeiter noch zurück in ihr Dorf gefahren und sind dann nach Hause. Ich war erschöpft, aber auch glücklich, nicht zu der anderen großen Wanderung in die Serengeti gefahren zu sein, auch wenn das auch schön gewesen wäre.  

Jetzt noch einige Infos zu Feldern und der Feldarbeit in Tansania:
1. Es ist relativ wichtig den richtigen Zeitpunkt (mit den ersten großen Regenfällen) zum Säen abzupassen. Säet man früher kann es passieren, dass die Saat quasi im Boden gekocht wird, säet man zu spät, vertrocknet der Mais später nach der Regenzeit.
2. Fast jeder Tansanier, der nicht in der Stadt wohnt, hat irgendwo sein eigenes Shamba. Das normale Einkommen alleine reicht zum Überleben nicht aus.
3. Ja, es gibt auch genug Platz und genug Ackerland, damit jeder ein eigenes Feld bewirtschaften kann. Das Gebiet um Moshi herum sieht zwar relativ dicht besiedelt aus, aber sobald man ein klein wenig heraus fährt, hört die Besiedelung auf. Ich hatte die Möglichkeit mir das ganze aus der Luft anzusehen. Es gibt riesige Flächen, die am Mittwoch noch unbestellt waren, ohne auch nur ein Haus in der Nähe. Aber unser Pilot meinte, dass hier in wenigen Wochen der Mais nur so sprießen würde.
4. Hier in Tansania lernt und weiß jedes Kind wie man ein Feld bestellt. Eigentlich hat jede Schule ihre eigenen Felder und einen Teil der Schulzeit verbringen die Kinder auf den Feldern. Schon in der Grundschule. Als ich in den letzten Tagen nach Hause gelaufen bin wurde ich nicht von aufgebrachten, sondern von müden mit der Hacke und dem Schulranzen bepackten Kindern begleitet.
5. Felder wechseln fast jedes Jahr den Besitzer, aber fast nie wechselt das angebaute Gemüse. Auch hier in Tansania gibt es Großbauern oder vielmehr Großgrundbesitzer, diese verpachten ihr Land. Jeder Pächter bekommt dann sein Feld zugewiesen. Aber fast alle bauen Mais an. (Monokulturen, Fredrick spricht schon von sinkenden Erträgen,
6. Regenzeit bedeutet nicht, dass es durchgehend schüttet, wie ich vor einem Jahr naiv dachte, vielmehr regnet es mindestens einmal am Tag. In der Regel schüttet es dann für eine oder zwei Stunden ziemlich kräftig, die Straßen die nicht geteert sind, verwandeln sich in Schlammflüsse. Nachts gab es große Gewitter, und um drei musste sich natürlich so ein Blitz fast direkt über unserem Haus entladen (so einen lauten Donner habe ich noch nie gehört) und alle waren wach. Sonst überschläft man hier jedes Gewitter.

Ich habe mich sehr über den Einblick in die Arbeit auf dem Feld gefreut. Ich habe dadurch einen neuen Teil der tansanischen Kultur kennengelernt, verstehe jetzt, was Feldarbeit bedeutet und wie viel Arbeit in einem einzigen Maiskorn steckt. So muss ja auch in Europa früher gesät worden sein. Gleichzeitig bin ich sehr froh, dass bei uns nicht mehr jedes Korn einzeln gesät werden muss und dass wir Maschinen haben, die das können. Diese Erfahrung hier gemacht zu haben, macht mir noch einmal bewusst, was ich für einen Wohlstand und Luxus in Deutschland genossen habe.
Mal wieder vielen Dank fürs Lesen, mir geht’s sonst gut. Kwa heri und bis bald.

Montag, 3. März 2014

Was in den letzten zwei wochen so alles passiert ist



Wie die Zeit momentan verfliegt ist nicht schön. Alles geht so schnell herum und jetzt ist schon März… Das mit dem Streichen des Gebäudes hat soweit ganz gut geklappt, komplett fertig sind wir noch nicht, aber es wird weitergehen. Irgendwann kommt bestimmt die nächste Gruppe aber jetzt ist noch nichts in Sicht. Gleichzeitig lässt so langsam die Hochphase der Volontäre nach. Nach und nach reisen immer mehr Freiwillige, die mit BCC gearbeitet haben, ab und für mich gibt es dadurch weniger zu tun.

Am Freitag vor zwei Wochen hatten wir noch ein großes Event. „Special Olympics“. Eine Sportveranstaltung für unsere Kinder. Größtenteils organisiert von Meghan und ihrer Mutter, die die Idee aus den USA mitgebracht hatten und damit auch schon Erfahrungen gemacht hatten. Das Ganze war ein voller Erfolg, die Kinder hatten einen riesigen Spaß und haben alle acht Stationen mit Bravur gemeistert. Das war von uns allen nicht so erwartet worden.
Jede Station wurde von Volontären betreut und ich bin mal hier mal dorthin. Die Kinder mussten springen, Bälle werfen, laufen und vieles mehr. Meine Aufgabe war es, die Zeit im Auge zu behalten und die Übersetzung. Aber alles verlief wie am Schnürchen. Am Ende hat jedes Kind eine Medaille bekommen und diese wird auch noch eine Woche später mit Stolz vor der Brust getragen.
Gleichzeitig hatte ich ja Sturmfrei zu Hause, das war vor allem dahingehend schön, als dass ich selber kochen konnte. Also gab es mehrmals Nudeln, ein Essen, dass ich sonst fast nie esse. Ansonsten bin ich jetzt wieder froh, dass Janet und Fredrick wieder zurück sind. Dieses Haus alleine zu bewohnen war nicht so spannend, jetzt ist wieder deutlich mehr leben in der Bude und vor allem das gemeinsame Abendessen hatte ich irgendwie vermisst.

Die letzte Woche war dann im allgemeinen nicht so spannend, für ich gab es nicht so viel zu tun, aber das kommt mal vor, die Wochen zuvor waren dafür sehr schön.
Am Sonntag war hier in Moshi der „Kilimanjaro Marathon“. Für mich ein Anlass sich mal wieder (zum ersten Mal in diesem Jahr) sportlich zu betätigen. Zusammen mit einigen Freiwilligen und Justus ging es am Sontag gegen sieben Uhr los. Der Halbmarathon wurde gelaufen. Ein sehr schönes, sehr anstrengendes Erlebnis. Aber es hat sich gelohnt, aber nächstes Mal werde ich vorher in kleines bisschen trainieren. Aber ich war rechtzeitig im Ziel um mir noch ein T-Shirt und eine Medaille zu sichern. Einige der BCC Kinder sind den 5 km Lauf (Fun Run) gelaufen. Heute am Montag kann ich mich nur sehr langsam bewegen.
Und muss natürlich prompt beim Umzug des Shops Möbel schleppen. Dabei wollte ich es heute erstmal ruhiger angehen lassen… naja, aber zusammen mit Adhama, einem der zwei tansanischen Praktikanten im BCC-Programm, und zwei weiteren Möbelpackern aus Moshi ging die Arbeit langsam aber sicher voran… aber heute Abend werde ich mal wieder tot ins Bett fallen.

Aber eigentlich wollte ich an dieser Stelle auf das tansanische System mit Ausländern eingehen. Es gibt hier im Land nämlich drei verschiedene Stufen. Entweder man ist Tourist, dann zahlt man die vollen Touristenpreise. Beim Marathon waren das 60 Dollar. Günstiger bekommt man das Ganze als „Resident“, also als offizieller Arbeiter oder Volontär im Land, der eine  Arbeitserlaubnis besitzt. Ich musste 30 Dollar, also die Hälfte des Touripreises bezahlen. Die letzte Stufe ist die des einheimischen, des Tansaniers. Diese zahlen für die Teilnahme am Marathon umgerechnet 2 bis 3 Dollar. Dieses System gilt so ziemlich bei jeder Touristenattraktion. Beim Festival, in Nationalparks, beim Reisen mit der Fähre… eigentlich überall. Ich persönlich finde das System im Grunde genommen nicht schlecht, denn so wird es den Tansaniern ermöglicht die wunderschönen Attraktionen des Landes kennenzulernen. Aber auf der anderen Seite ist es für alle, die hier im Land leben und arbeiten diskriminierend. Da wird leider mit dem Ansatz herangegangen, dass jeder Weiße oder andere Ausländer ein Reicher ist. Das stimmt zwar in vielen Fällen auch, aber eben nicht immer. Aber es ist halt auch eine super Einnahmequelle für den Staat oder bzw. für die jeweiligen Unternehmer.
Naja, dass nur mal kurz am Rande. Zu einer vernünftigen Bewertung bin ich noch nicht gekommen.

Viele Grüße aus Moshi und vielen Dank für jede Meldung aus dem Rest der Welt, die ich in der letzen Zeit bekommen habe
Kwa heri

Mittwoch, 19. Februar 2014

Streicherei und Festival – zwischen Planung und Sponatnität

Zwanzig Tage sind seit meinem letzten Blogeintrag jetzt vergangen und in diesen Tagen ist leider zu viel passiert, um alles hier niederzuschreiben, dennoch wird’s lang. Die letzten Wochen standen im Zeichen der Vorbereitung.

Schon im Dezember wurden wir in BCC durch ein Hostel über eine Gruppe informiert, die gerne für ein bis zwei Tage volontieren möchte. Das macht bei in unserem Projekt eigentlich keinen Sinn, denn in den Zentren können sie nichts machen. Aber wir haben ja ein neues, renovierungsbedürftiges Gebäude, in das unsere Kinder möglichst bald einziehen sollen. Und die angebotene Hilfe konnten wir beim Streichen gut gebrauchen.
Die Vorbereitung, sämtliche Koordination und die Betreuung dieses Projekts war meine Aufgabe. Zusammen mit einem Mitarbeiter vom Hostel, der sich glücklicherweise mit Farben und allem Drum und Dran auskannte, ging es die Utensilien kaufen. (Vielen Dank Ima!) Am Wochenende musste ich dann nochmal los, um ein paar Utensilien für mich zu kaufen. Ich brauchte Klamotten, nichts hübsches, nichts teures, etwas, gerne schmutzig werden kann. Also bin ich auf den Secondhandmarkt Memorial. Für ca. 5000 Schillinge habe ich zwei T-Shirts und eine halblange Hose erworben, natürlich in XXL, aber daran konnte ich nichts ändern. Anprobieren geht nicht s gut und der Verkäufer meinte, sie hätte ja eine Kordel… hatte sie auch.

Am Montag ging es dann morgens in diesen Klamotten zur Arbeit. Das war schon ein wenig komisch, da ich sonst immer in langer Hose und relativ gepflegter Kleidung hier auflaufe. Richtig wohl habe ich mich dabei nicht gefühlt. Dann wurde ich am Office abgeholt und es ging zu einem Hotel, in dem die
Gruppe untergebracht war.
Ich wurde ein wenig von der Gruppe überrascht. Meine Information war, dass sie aus England kommen und gerade den Kili bestiegen hatten, (dementsprechend müde waren sie auch) aber ich habe irgendwie mit einer Jugendgruppe gerechnet. Keine Ahnung warum. Aber die Teilnehmer waren zwischen 25 und über 60 Jahren alt. Aber kein Problem. Im neuen Gebäude angekommen wurden erstmal die Räume ausgeräumt und anschließend wurde begonnen zu streichen. Anfangs bin ich von hier nach dort gerannt und habe Sachen organisiert, mich nach dem Befinden erkundigt und gedolmetscht, wenn es zur Kommunikation mit den Schneidern unserer Arbeitsgemeinschaft kam. Steichen konnte ich nicht, denn es gab nicht genug Pinsel… Gegen drei Uhr sollten wir dann abgeholt werden und ich habe mich in meiner Kleidung sehr unwohl gefühlt. Diesmal lag es aber am Wetter, denn der Montag war einer der kältesten Tage, die ich hier in Moshi erlebt habe. Nachmittags hat es aus Badewannen geschüttet und der Busfahrer, der uns abholen sollte, hatte sich natürlich verfahren und dadurch verspätet. Gegen fünf Uhr war ich dann zurück im Office und musste dann noch fehlende Pinsel und andere Utensilien besorgen. Abends bin ich dann gegen sieben nach Hause gekommen und wäre am liebsten direkt ins Bett.
Am nächsten Tag gab es das ganze nochmal. Am Vormittag wurde gestrichen und wir wurden wirklich fertig, womit ich nicht gerechnet hatte. An dieser Stelle gilt der Gruppe ein riesiges Dankeschön auch im Namen von BCC. Pünktlich wie abgesprochen zurück kamen wir aber auch nicht… ein Mädchen wollte eine Tasche in einer bestimmten Farbe kaufen, diese musste aber noch geschneidert werden und es dauerte dementsprechend ca. eine Stunde länger.
Dabei ist mir mal wieder die Ungeduld aufgefallen. Teilweise meine eigene, aber vor allem die der anderen Gruppenmitglieder. Natürlich kann es in Tansania auch mal ein wenig länger dauern, daran habe ich mich gewöhnt, aber wenn eine Gruppe ein wenig drängelt, dann verfalle ich auch ein wenig in Hektik. Aber schlussendlich hat alles geklappt und ich bin auch ein wenig stolz, denn es war mein erstes Projekt, das in Eigenregie gelaufen ist.

Dienstagnachmittag begann dann der spontane Teil der letzten Wochen. Auf Sansibar findet ein Festival statt. Gemeinsam mit Anna, Anki, Helene und Justus ging es zum "Sauti za Busara". Die endgültige Entscheidung dahin zu fahren ist am Montag gefallen.
Ich bin ich dann zum Booking-Office des Dar-Express gelaufen. Bustickets für einen bestimmten Bus kaufen, der in Karatu, wo Anki und Helene leben, losfuhr und in Moshi gegen zehn Uhr abfahren sollte. Hat auch geklappt. Am nächsten Morgen haben wir uns dann am Busbahnhof getroffen und dort bis zehn vor zehn gewartet… dann wurden wir darüber informiert, dass der Bus wo anders abfährt. Also schnell ins Taxi und zum Abfahrtsplatz. Da stand dann auch ein Bus wir (Anna, Justus und ich) rein und auf ging es. Leider war es der falsche Bus. Helene und Anki waren nicht drinnen. Wahrscheinlich hatte der Bus hier schon Verspätung und der andere dann auch. Aber kein Problem, wir haben uns dann in Dar getroffen. Nach Sansibar ging es dann am nächsten Morgen mit der Fähre und dort dann erstmal in ein Hotel, Sachen abstellen. Dann ging es durch Stone-Town zurück zum Hafen und zur Promenade. Stone-Town ist sehr schön. Am Anfang verliert man sich schnell in den verwinkelten Gassen und irrt verloren durch ein Wirrwarr von verschiedensten Souvenir-Läden. Bis man irgendwann wieder am Wasser oder an einer großen Straße strandet. Schön auch mit dem ganzen Touri-Krams.
Nachmittags ging es dann die Tickets fürs Festival kaufen. Und es gab sogar ein Festival-Bändchen! Aber es war aus glitzerndem Plastik. Aber es sah doch sehr fancy aus.
Bis zum Abend wurde dann ein wenig gechillt, bevor es hinein ging ins Fort, zum Sauti za Busara. Der Ort war superschön und sehr gut geeignet für das Festival. Es gab zwei separate Bereiche in der Burg, einen Großen Hof, in dem die Bühne aufgebaut war und ein Amphitheater, in dem abends Filme liefen und/oder die Konzerte übertragen wurden und in dem so manche auch mal ein kleines Nickerchen einlegte. Die Musik war super. Es spielten nur Gruppen, die in irgendeiner Weise etwas mit Afrika zu tun hatten. Die meisten kommen aus Afrika, andere haben Kooperationen. Aber wie die Musik genau war, das lässt sich nicht beschreiben oder man nutzt das Wort geil!!! Jede Gruppe hatte ca. eine dreiviertel Stunde Zeit um und bei vielen war es zu kurz.
Leider fiel das Ende des ersten Abends ins Wasser, da es anfing u schütten. Der letzte Act konnte nicht mehr auftreten. Und es ging nachdem wir uns ca. eineinhalb Stunden untergestellt hatten mit dem Taxi zurück ins Hotel.

Ausschlafen bis ca. 10 Uhr, dann wieder entspannt durch Stone-Town schlendern. Nachmittags hatten wir uns dann aufgeteilt und Justus und ich sind zum Kaffee trinken in einem Strandcafé gelandet. Das besondere war, dass wir in ca. dreihundert Metern Entfernung Delfine sehen konnten, das war schon besonders. Es waren die ersten meines Lebens… aber es war auch nur kurz. Anschließend haben wir in einem äthiopischen Restaurant vor dem Sturzregen Zuflucht gesucht. Abends wieder aufs Festival. Die Gruppe die tags zuvor nicht auftreten konnte, durfte dies nachholen und bis ca. drei oder vier wurde getanzt und gefeiert was das Zeug hält. Einziger Reinfall, eine Band namens Kazimoto, an der zwei deutsche DJs beteiligt waren. Aber irgendwas hatte beim Soundcheck nicht geklappt. Jedenfalls hörte man nur StarWars Laserschwerter als Techno-Effekte von den DJs…

Am nächsten Tag ging es dann für Anna, Justus und mich auf eine Spice-Tour. Es ging mit einer supernetten, kleinen Touri-Gruppe durch einen Urwald, der irgendwie Feld bzw. Plantage genannt wurde. Dort wurden uns aber dann wirklich fast alle Gewürze und andere lokale Früchte gezeigt und uns auch die (medizinische) Wirkung erklärt. Im Anschluss ging es noch in eine Sklaven-Höhle, in der Sklaven gefangen und versteckt gehalten wurden und danach noch an einen schönen Strand. Einmal kurz Baden. Zurück zum Hotel, duschen und ein wenig Schlaf vor bzw. nachholen. Und dann wieder ins Old Fort. Zum meiner Meinung nach besten Abend des Festivals. Hervorzuheben ist ein Duo namens Oy! Besonders, weil irgendwie anders und mit Elektro drin haben die sich sehr stark von allen anderen Bands abgehoben. Unbeschreiblich war allerdings die Band danach. Alle waren begeistert von OY und da man schon im Zeitverzug war durfte sie nichts Weiteres mehr spielen und musste ihr Programm vorzeitig beenden. Obwohl sie gefühlt noch zwei weitere Stunden hätte spielen können. In der Umbaupause haben alle von OY geschwärmt und es war klar, da kommt die nächste Band nicht ran, aber sie haben es doch geschafft. Zwar waren sie nicht so gut, haben mit ihrem Rock aber voll die Stimmung getroffen. Ein unbeschreiblicher Abend. Aber auch eine andere Band, direkt von Sansibar. Eine Band von Frauen, die traditionelle Musik machen. Die Leiterin war dann so mutig, sich vor Publikum für die Frauenrechte auch auf Sansibar und in Tansania einzusetzen und hat anschließend noch die Festivalleitung düpiert, als sie ihre volle Spielzeit auskosteten und sich diese nicht durch die Gebetsunterbrechung nehmen ließen.

Am Sonntag ging es dann mit allen auf eine Schnorchel-Tour. Um das zu beschreiben fehlen leider endgültig die Worte.
Abends ging es wieder zum Festival. Essen gab es zuvor ausnahmsweise nicht in den Frodhani Gardens, wo man von lokale Küche zu günstigsten Preisen bekommt, sondern in jenes äthiopische Restaurant, das über eine ausgezeichnete Küche verfügte.
Die Musik war wieder super, wenn auch am Ausklingen. Aber ich will noch ein wenig auf das Publikum eingehen. Es war eine Mischung aus Lokals und sehr vielen Weißen. Und unter diesen Weißen waren nicht wenige Deutsche. Zum Teil haben wir auch andere Volontäre getroffen, die ich Monate nicht gesehen hatte und die jetzt unbedingt mal besucht werden müssen! Besonderes Highlight war ein zufälliges Treffen von Stipendiaten der Stiftung Ökumenisches Lernen. In der Menge kam eine Ehemalige Stipendiatin auf uns zu, die in Marangu im Krankenhaus gearbeitet hatte und jetzt in den Semesterferien zu Besuch in Tansania ist.
Leider ist der Abend nicht so schön geendet, da eine unserer Gruppe wahrscheinlich K.O-Tropfen in ihr Getränk gemischt bekommen hatte und danach völlig außer Gefecht gesetzt war. Das war der Wermutstropfen des ansonsten oberhammergeilen und superschönen Festivals, das nach Möglichkeit noch einmal besucht werden muss.
Aber es ist nichts Weiteres passiert und nach einem weiteren Tag in Stone-Town und einem ausgiebigen Abendessen in den Fordhani Gardens ging es mit der Nachtfähre nach Dar und von da aus mit dem Bus nach Moshi.

Abends zu Hause, es ist schön das so nennen zu können, habe ich erfahren, dass ich jetzt eine Woche „Sturmfrei“ habe. Janet und Frederick reisen mit Gästen in den Süden Tansanias. Aber richtig alleine bin ich ja nicht, da das Personal da sein wird…
Am Sonntag kommt jetzt die nächste Gruppe zum Streichen. Geplant habe ich aber noch nicht so viel. Vieles haben wir aber auch schon und es muss nichts mehr gekauft werden.

Vielen Dank fürs Lesen. Ich werde mir mit dem nächsten Bericht nicht so viel Zeit lassen und dan wird der auch nicht mehr so lang. Viele Grüße aus Moshi.
Kwa heri!

Mittwoch, 29. Januar 2014

Changes



Irgendwie hat sich mit Beginn des neuen Jahres eine ganze Menge verändert. Und das ist ganz schön schwierig zu beschreiben. Und diese Veränderungen sind positiv und betreffen vor Allem meine Arbeit. 

Ende letzten Jahres habe ich oft herumgesessen, hatte gar nichts zu tun und habe mich tierisch gelangweilt. Mich weiter einbringen konnte ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht und alles hat ein wenig stagniert. Aber jetzt im neuen Jahr habe ich endlich eine Aufgabe gefunden, die mir Spaß macht oder bei der ich zumindest das Gefühl habe etwas zu verändern.
Ich koordiniere jetzt alle Volontäre die BCC hier in Moshi besuchen und in unseren Tageszentren mitarbeiten wollen. Und ich habe das Gefühl, dass ich damit den anderen im Office echt ein wenig Arbeit abgenommen habe. Angefangen hat es damit erstmal eine kleine Übersichtstabelle zu erstellen, in der man sehen kann, wie viele in welchem Zentrum zurzeit sind und wann sie wieder gehen.
Koordinieren bedeutet, dass ich die Freiwilligen auch zu den Tageszentren bringe, ihnen BCC in einer „Orrientation“ näherbringe und sie über unsere gesamte Arbeit hier in Moshi informiere. Zumindest jetzt am Anfang des Jahres ist es sehr nett und ich lerne viele neue Leute aus der ganzen Welt kennen. Und es ist erstaunlich, wie viele Freiwillige hier nach Moshi kommen um nur für ein paar Wochen irgendwo mitzuarbeiten. Kurzzeitvolontäre. Allein in den nächsten beiden Wochen kommen bis zu zehn neue und langsam gibt es Schwierigkeiten die Freiwilligen in den Zentren zu platzieren. Manche sind leider für Freiwillige nicht wirklich gut zu erreichen… und es ist nicht so angenehm Volontäre dort unterzubringen…
Was gibt es noch für mich zu tun? Ach ja. Touristenführer durch Moshi (also zu unseren Zentren) bin ich auch. Gäste und Volontäre sollten nicht nur ein Tageszentrum sehen also geht es immer wieder zu Besuch in den verschiedenen Zentren… Die Mamas haben mich schon richtig ins Herz geschlossen.
Einmal die Woche begleite ich in der Regel Meghan und Gertrude, die zurzeit eine „Centerevaluation“ machen und in jedem Zentrum eine Woche hospitieren.
In der nächsten Zeit stehen auch noch besuche von großen Besuchergruppen hier im BCC an, weshalb ich jetzt auch am Wochenende mal raus muss…

Ach ja, mein kleines Sorgenkind, der Shop… existiert noch, ungeöffnet im alten Gebäude, eventuell vor einem baldigen Umzug… aber das Umoja Hostel wird es wohl nicht werden… zu teuer und zu aufwändig dort einen Container zu platzieren. Wir haben jetzt eine nette, kleine Alternative in Moshi gefunden. Keine schlechte Position, nur leider liegt kein Zentrum in unmittelbarerer Nähe und wir müssen noch ein wenig an unserer Produktvielfalt arbeiten, aber dann könnte es bis März auch klappen einen kleinen Laden zu eröffnen… mal gucken.
Insgesamt fühle ich mich mit dem was ich hier jetzt mache ein wenig mehr akzeptiert. Ab und zu ist immer noch nicht so viel zu tun und ich sitze herum, aber alles in allem ist es deutlich besser geworden.

Gestern war ich noch bei einem meiner Arbeitskollegen und Freund Kimaro eingeladen. Es war sehr nett. Er lebt in Boma N’gombe (ich hoffe, ich habe es richtig geschrieben) was übersetzt so etwas wie Kuhstall oder Kuhmarkt bedeutet… Er betreibt dort zusammen mit seiner Frau einen kleinen Tante Emma Laden, wie es hier sehr viele in Tansania gibt. Besonders ist nur, dass er diesen in einem Container betreibt und jetzt schon eine Dalla-Sation (Bushaltestelle) danach benannt ist. Gleichzeitig haben sie noch über 100 Hühner, ein paar Ziegen und Schweine. Hier in Tansania versucht halt jeder irgendwie noch etwas zu seinem Lebensunterhalt hinzu zu verdienen. Aber anders, so mein Freund lässt es sich nicht leben.
Deshalb fand ich es nicht ganz ok und habe mich auch ein wenig falsch gefühlt als mir dann ein ganzes Huhn vorgesetzt wurde. Ich hatte zusammen mit Mama Niki, der Frau von Baba Niki, wie Kimaro auch genannt wird, gekocht, dachte aber, dass wir zusammen essen würden. Das haben wir aber nicht… wenn es nach meinen Gastgebern gegangen wäre hätte ich das ganze Huhn alleine essen müssen. Kimaro und seine Frau hatten schon etwas gegessen, aber irgendwie habe ich mich dann darum herum drücken können.
Nett war vor allem, dass Kimaro nichts dagegen hat, auch mal ein Bier zu trinken. Das hatte mich sehr verwundert, denn hier im Office und bei all den kirchlichen Leuten um mich herum habe ich irgendwie erwartet, dass sich alle an daran halten, nicht groß zu trinken. Dem ist aber netterweise nicht so. Es war ein sehr netter und angenehmer Tag und ich werde ihn nochmal besuchen müssen, wenn seine beiden Kinder da sind, die momentan wie alle Kinder und Jugendlichen wieder in der Schule sind. Ich freue mich schon darauf.

Das wars erstmal von mir hier aus dem fast unerträglich heißen Moshi… (Ach ja und der Text ist am Montag geschrieben… aber ich habe die tägliche Büroschlacht ums Internet nicht gewinnen können, bzw. ich war gar nicht im Büro)
Kwa heri