Dienstag, 15. Oktober 2013

Geburtstag in Tanga

Geburtstag in Tanga                    

Erst einmal herzlichen Dank für die vielen Glückwünsche, die mich hier in Tansania erreicht haben. Ich habe mich darüber sehr gefreut!
Meinen Geburtstag habe ich in Tanga, einer Stadt am Indischen Ozean verbracht. Hier in Tansania ist am Montag der Julius-Nyerere-Tag gewesen, das ist ein Nationalfeiertag und somit frei für alle. Das bedeutete also verlängertes Wochenende. Und so ging es am Freitag mit dem Bus, auf Einladung eines Sprachlehrers aus Morogoro (Beno), nach Tanga. Mit dabei waren Justus sowie Jessie und Denise, zwei Volontäre hier aus der Region, die wir beim Sprachkurs kennengelernt haben.

Nach einer ca. zweistündigen Busfahrt kamen wir nicht etwa in Tanga an, sondern mussten feststellen, dass der Bus eine nicht zu reparierende Panne hatte. Das bedeutet: alle Austeigen und mitten in Tansania auf den nächsten Bus warten, der nach Tanga fährt. Der kam dann auch schon nach einer dreiviertel Stunde. Aber wir konnten nicht einsteigen, da der Bus im nu Überfüllt war. Also nochmal eine halbe Stunde warten. Dann kam dann auch ein Bus, in dem wir noch Stehplätze ergattern konnten. Natürlich waren Justus und Ich zu groß für den Bus, sodass wir uns mit dem Kopf unter der Decke einklemmen konnten. (Zur Info: Tansanier sind nicht so groß) So eingeklemmt waren wir für weitere zwei Stunden unterwegs, bevor wir uns endlich wieder setzten konnten. Gegen vier Uhr sind wir dann endlich in Tanga angekommen und wurden von Beno und Prosper, einem Freund von Beno, der in einem Reisebüro in Tanga arbeitet, in Empfang genommen. Tanga ist viel grüner als Moshi, es regnete sogar als wir ankamen und es war sehr schwül. Dann ging es zum Hotel. „Ocean Brice“ hieß es. Wir hatten ein Zimmer mit Balkon im obersten Stock und einen super Meerblick – ok, eigentlich war es mehr eine Bucht… aber super schön. Abends waren wir dann noch in einer Kneipe und Beno, der Fußballbegeistert ist und selbst schon in der 1. Tansanischen Liga gespielt hat, erzählte uns, dass Deutschland heute gegen irgendwen spielen würde. Leider konnten wir das Spiel nicht sehen, Zeitverschiebung und das Spiel der Engländer standen im Weg.

Am Samstag haben wir uns dann mit Beno und Prosper auf zum Strand gemacht… zu Fuß sind wir durch halb Tanga gelaufen und dann  irgendwann an einem „Schwimmbad-Strand“ angekommen. Das Wasser war super klar, türkisblau und angenehm kühl im Vergleich zur heißen Luft. Wir haben den ganzen Tag dort verbracht und natürlich war der Sonnenbrand vorprogrammiert… Abends haben wir dann auch unserem Balkon gesessen haben den angenehm kühlen Abend genossen, nachdem wir uns bei einem richtig guten Inder die Bäuche vollgeschlagen hatten. Gegen elf Uhr sind wir dann noch ein bisschen durch Tanga gelaufen und Pünktlich um zwölf Uhr bekam ich in einem kleinen Park ein Ständchen gesungen, mit Wunderkerzen!!! Da wir alle sehr müde waren sind wir dann ins Bett.

Am nächsten Morgen musste uns Beno leider verlassen, aber wir konnten mit Prosper nach Pangani fahren. Einem wahren Urlaubsparadies, mit weißen Sandstränden direkt am Indischen Ozean, aber ohne Touristen!! Warum konnten wir auch schnell feststellen, man kommt nicht so gut hin. Vor allem nicht, wenn sich in der vom Regen aufgeweichten Sandstraße ein LKW festfährt, man an ihm vorbeilaufen und das Dalla Dalla wechseln muss. Aber auch dieses Hindernis wurde gemeistert, auch Dank Prosper!! In Pangani angekommen ging es dann nach einem kleinen Lunch direkt an den weißen Sandstrand und dort natürlich sofort in die angenehmen Fluten des Indischen Ozeans. Diesmal gab es sogar Wellen. Bei den Handtüchern demonstrierten uns Kinder ihre Turnkünste im weißen Sand. Flickflack und alles andere inklusive. Hatte ich schon erwähnt, dass wir den Strand für uns alleine hatten? In Deutschland wäre er komplett überfüllt gewesen… Gegen vier Uhr ging es dann sonnenverbrannt zurück nach Tanga. Abends gab es dann noch ein kleines Geburtstagsessen bei dem super leckeren Inder! Im Hotel haben wir dann den Abend auf dem Balkon ausklingen lassen. Und wir haben mit Spielern der Newcomer Manschaft der Tansanischen Liga gesprochen, die bei uns Im Hotel wohnten und auf der Strae ausgelassen tanzend ihre Sieg feierten. Es war eine superschöne Zeit. Und an dieser Stelle nochmal ein Dank an Jessie, Denise, Justus und natürlich an Beno und an Prosper!
Am Montag ging es denn zurück nach Moshi. Diesmal gab es auch keine Zwischenfälle auf der Busfahrt. Jetzt bin ich leicht verbrannt, aber auch sonnengebräunt zurück in Moshi und die Arbeit ruft wieder.
Nochmal vielen Dank für die Glückwünsche!!
Kwa Heri

Samstag, 5. Oktober 2013

Wo bin ich?


Viele Grüße aus Tansania!

Da das Internet hier nicht so schnell ist, bzw. ich nur welches habe, wenn ich in der Stadt bin, kommt dieser Post hier nen bissechen verspätet.
Seit ca. zwei Wochen bin ich jetzt in Moshi. So richtig angekommen bin ich aber noch nicht. Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist natürlich, dass ich jetzt an einer komplett neuen Stelle bin und mich auch hier erstmal einfinden muss und dass es eine ganze Reihe von Überraschungen gab. Aber fange ich am Anfang an.

Am Montagmorgen sind Justus und ich – Johanna war noch am Sonntag mit ihren Mitvolontären nach Faraja aufgebrochen – von Dr. Shoo, dem stellvertretendem Bischof, und Kaaya, dem Chef vom BCC, im Umoja Hostel abgeholt worden. Überraschung eins und zwei standen auf dem Programm. Dr. Shoo spricht fließend Deutsch und ich werde vorrübergehend bei ihm wohnen, da kurzfristig eine Familie abgesprungen ist. Da ich ja noch nicht wusste wo es hin geht, war das nicht so schlimm. Aber meinen Koffer komplett auspacken kann ich immer noch nicht – egal. Dr. Shoo musste dann aber auch schon wieder Weg und wir sind mit Kaaya zum BCC-Office. Dort wurde Justus dann von einer Person aus seinem Projekt abgeholt.
Im Office, folgt Überraschung Nummer drei: ich bin nicht der einzige Weiße, der im BCC-Office arbeiten wird. Im Büro waren sogar gleich drei Weiße, die zusammen mit den anderen Mitarbeitern auf mich und Kaaya gewartet haben. Von diesen Dreien ist eine aus Schweden und hatte schon ein Jahr im BCC gearbeitet, die anderen beiden kommen aus den USA. Aber nur Meghan wird mit mir hier arbeiten, die andere (Brab) hat das Projekt mit aufgebaut und ist nur zu Besuch.
Die vierte Überraschung: Es ging gleich mit der Arbeit los. Ok, es war nur das Montagstreffen, auf dessen Inhalt ich später noch eingehen werde. Danach wurde ich von Kaaya zum Haus von Dr. Shoo gebracht. Was nun folgt, kann sich jeder schon denken, oder?
Überraschung Nummero fünf: Es handelt sich nicht um ein Haus, sondern mehr um ein riesiges Haus, ein Anwesen um genauer zu sein. Vielleicht trifft es auch das Wort Bauernhof ganz gut, aber Villa ist sicher auch nicht schlecht. Da habe ich nicht schlecht gestaunt. Ich wurde von mehreren Angestellten in Empfang genommen und dann erstmal in mein Zimmer gebracht worden (das es größer ist als mein Zimmer in Braunschweig war Überraschung fünfeinhalb). Dann war ich erstmal allein. Es ist ein total komisches Gefühl alleine in einem Haus zu sein, dessen Besitzer man nicht kennt. Dann bin ich nach draußen, wo ich von Mudi (Modi, ich weiß nicht wie man den Namen schreibt), einem Angestellten, der vor allem für die Tiere zuständig ist, stolz über das Gelände geführt wurde. Mit Zeichensprache und einzelnen Wörtern Swahili zeigte er mir die Kühe, die Ziegen, die Hühner, die Truthähne und die Hunde, sowie die Bananenplantage hinterm Haus.
Ich fühlte mich danach ein bisschen verloren. Was soll ich in diesem großen Haus machen? Was darf ich? Welche Regeln gibt es, auch kulturell gesehen? Ich habe mich völlig fehl am Platz gefühlt vor allem, wenn ich aus dem Haus raus bin und dann nur guckend rumstehen konnte, während alle anderen um mich herum arbeiteten.
Abends kam dann ein bisschen Leben ins Haus, als Dr. Shoo von der Arbeit nach Hause kam. Kurz darauf kamen dann auch seine Tochter Debbie und seine Frau Janet. Und es kam Überraschung Nummer sechs: auch sie sprechen fließend Deutsch (Familie Shoo hat ca. sechs Jahre lang in Deutschland gelebt).
Ich hoffe, ich konnte meine Verwirrung am ersten Tag ganz gut darstellen. Inzwischen hat sich einiges beruhigt und ich habe mich ein bisschen eingewöhnt. Familie Shoo ist sehr nett, hilfsbereit und aufgeschlossen. Die folgenden Tage werde ich aber nicht so ausführlich beschreiben.

Jeden Tag werde ich zwischen fünf und sechs vom Krähen der Hähne geweckt. Gut – ich drehe mich dann nochmal um, aber um halb sieben stehe ich auf. Zum Frühstück gibt es in der Regel eine Art Graubrot und Früchte. Ich kann zwischen Orange, Mango, Papaya und Avocado wählen, wobei ich ein Fan von Avocado auf Brot geworden bin. Danach geht es mit Dr. Shoo in die Stadt zum Office. Aber bevor die Arbeit losgeht, gibt es ein „Morning Prayer“. In meinem ersten am Dienstag, war natürlich gleich eine deutsche Reisegruppe zu Gast. (Hab ich schon mal erwähnt, dass ich Reisegruppen nicht so gerne mag?) Jeder musste sich einzeln vorstellen und hat dann noch gesagt, warum er oder sie hier in Tansania ist, was ihm/ihr so gefällt und so weiter. Das war noch ok. Aber schrecklich war der sicher gut gemeinte Versuch das sehr schöne Lied „Möge die Straße…“ zu singen. Für mich als Chorsänger war das die reinste Katastrophe und ich wäre vor Scham fast im Erdboden versunken. (Schiefer ging es nicht) Bei den Tansaniern kam es aber gut an (vor allem die Strophe auf Swahili). Ich musste mich dann auch vorstellen, wie alle, die neu im Head Office der Diözese sind. 
Nach der Morgenandacht beginnt dann meine Arbeit im BCC-Office. Gegen zehn gibt es Chai, gegen eins Lunch. Gegen vier Uhr nachmittags bin ich dann fertig und kann mich auf den Heimweg machen. Zurück fahre ich nicht mit mehr Dr. Shoo, das hatte ich den zweiten Tag versucht, aber aus fünf Uhr wurde dann sieben. Tansanische Gelassenheit… aber das war ganzschön strapazierend. Darum fahre ich jetzt immer mit dem Dalla Dalla nach Hause, da bin ich ein bisschen freier. Dalla Dalla fahren ist spannend. Ich glaube jeder kann sich ein Auto etwas kleiner als ein VW-Bus vorstellen, in dem ca. 25 - 30 Leute transportiert werden. Irgendwann gibt es dann mal auch Fotos… Sechs Meilen (Maili Sita) außerhalb von Moshi muss ich dann Aussteigen und dann noch ca. einen Kilometer zu Fuß gehen, bis ich dann am Tor der Shoos klingeln kann und Mudi mir öffnet.
Abendessen ist irgendwann zwischen sieben und neun. Was es so gibt, schreibe ich später. Aber es ist spannend und lecker.

So, jetzt mal zu meiner Arbeit. Ich bin, wie schon Oft gesagt im BCC, was das genau ist, ist (bald) oben zu  lesen. Jedenfalls bin ich momentan in der Orientierungsphase. Das heißt, ich gucke mir alles an und verschaffe mir somit erstmal einen Überblick. Da Meghan genauso lange hier ist wie ich, machen wir eine ganze Menge zusammen. 
Ich war beim Medical Screening, der jährlichen Untersuchung der Kinder dabei, habe verschiedene Center besuchen können und – das hat bis jetzt am meisten Spaß gemacht – konnte zusammen mit Rose, einer Mitarbeiterin, auf field-work gehen. Das bedeutet, wir sind durch ein Viertel gelaufen und haben die Familien besucht. Dabei war ich die Hauptattraktion für alle Kinder. „Mzungu“-Rufe (Weißer) waren von überall zu hören und die Kinder kamen angelaufen und versuchten mich zu berühren. Rose kam teilweise gar nicht mehr aus dem Lachen heraus.
Da viele der Day-Center direkt neben oder besser in den Kindergärten untergebrachte sind, um die Kinder sozial integrieren zu können, wurden wir auch bei den Besuchen dort von Kindern umringt. Stolz begrüßten uns die Kinder hier mit „good morning“ und „how are you?“. So etwas war richtig schön.
Montags ist immer ein Treffen des gesamten Büros, in dem die vergangene Woche besprochen und die kommende im Überblick kurz geplant wird. Alles nach dem Motto „Mtu ni Watu“, einem tansanischen Sprichwort, dass frei übersetzt „Mensch ist Menschen“ bedeutet. Ziel des Meetings ist es, dass alle über alles was im BCC vorgeht informiert sind. Was man aber eigentlich sowieso immer ist, zumindest wenn man gut Swahili verstehet, da wir nur einen Raum haben, den wir uns mit sieben bis acht Personen teilen (teilweise ist es eng).
Meine Aufgabe in der kommenden Zeit ist es, beim Aufbau eines Shops zu helfen, in dem Stoffe sowie Taschen, Sandalen und Schmuck verkauft werden, die in Handarbeit von den Kindern (nur von den älteren, die es auch können) und vor allem deren Familien hergestellt worden sind. Wenn jemand noch eine Idee hat, was man noch verkaufen könnte, immer her damit!

Das wars erstmal aus Moshi. Achja, mir geht es gut. Vielen Dank fürs Lesen.
Kwa heri

Sonntag, 22. September 2013

Sprachkurs



Hallo, ich melde mich mal wieder aus Tansania!!
In den letzten zwei Wochen ist eine Menge passiert, alle Einzelheiten werde ich hier aber nicht ausbreiten. 

Angefangen hat es mit einer 8 stündigen Busfahrt nach Morogoro. Es ging einmal quer durch Tansania, vorbei an weiten Ebenen, entlang an Bergen, einer wunderschönen Landschaft. Die Straßen und die Fahrt waren ein Abenteuer für sich. Teilweise waren wir auf richtig gut ausgebauten Straßen unterwegs, dann wiederrum ging es auf Sandpisten entlang. Beinfreiheit war nicht wirklich gegeben, aber irgendwann war es dann vorbei und wir wurden direkt vor der Sprachschule  herausgelassen.

Die „Language and Orrientation School“ liegt auf dem Campus einer Secondary School etwas außerhalb von Morogoro, am Fuß einer Bergkette, direkt an der Hauptstraße und ist natürlich ein Internat. Noch nicht einmal aus dem Bus ausgestiegen, trafen wir schon auf die ersten Freiwilligen. Auf dem Gelände wurden wir dann von allen fröhlich in Empfang genommen. Die anderen Volontäre kommen aus ganz Deutschland, vornehmlich aber aus Bayern, dem Schwabenland, Sachsen und Schleswig-Holstein. Aber auch Berlin war vertreten, genauso wie ein kleines Dorf, namens Meinersen, das fast als Nachbardorf zu Bevenrode zählen könnte (es sind schon ein paar Kilometer mehr, aber egal) Hier in Tansania sind die Freiwilligen aber vornehmlich im Süden, Matema und Iringa oder bei uns hier oben im Norden (Moshi und Arusha) eingesetzt.

Am Sonntag gab es gegen halb neun einen Gottesdienst, an dem wir teilnehmen konnten. Mein erster In Tansania. Dieser war natürlich auf Swahili (und wir haben noch nichts verstanden), fand in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche statt und dauerte ziemlich genau zwei Stunden. Der Gottesdienst war aber ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Lange nicht so lebhaft wie erwartet und viel formeller. Das erste Gemeindelied war dann aber auf die Melodie von „Lobt den Herren…“, der Pastorin war es zu langsam, sie hat es abgebrochen und neu angesetzt, so begann der Gottesdienst… Immer wieder sangen ein Chor oder kleinere Gruppen und natürlich gab es auch ein Abendmahl: Alle Knieten vor dem Altar, die Pastorin kam mit der Oblate, der Pastor hinter ihr her mit einem Tablett voller Schnapsbecher, die auch mit einem Fruchtschnaps gefüllt waren. Etwas befremdlich für uns, die wir ein Abendmahl mit Wein kennen… Insgesamt war es lebhafter als in Deutschland.

Den Rest des Sonntages hatten wir noch frei und es ging einmal nach Morogoro, die Stadt besichtigen und ein bisschen Wasser kaufen. Das Wasser in der Schule konnte man nicht einmal zum Zähne putzen benutzen, da es mit Typhus verseucht war. An dieser Stelle, weil es passt, kurzer Einschub zum Thema Malaria: in den zwei Wochen gab es sechs bestätigte Fälle. Moro ist eine stark gefährdete Gegend und fasst Erkrankten haben auch in irgendeiner Weise eine Profilaxe genommen. Gut, Einschub vorbei. 

Komme ich zum Alltag in der Sprachschule: Der Begann um sieben Uhr mit dem Frühstück, dann gab es eine kleine Andacht, bevor gegen halb neun (auf dem Plan stand acht Uhr) der Unterricht begann. Frontal Unterricht, zwei Stunden, in denen uns die Grammatik erklärt wurde und wir verschiedenste Vokabeln lernten. Dann gab es Chai (Tee), und danach ging es im Unterricht weiter bis zwölf. Lunch. In der Regel gab es Reis mit Bohnen, aber immer auch etwas anderes dazu, wie zum Beispiel Spinat, auch Nudeln oder andere Soßen. Nach einer Mittagspause ging es um halb drei mit den Drills weiter. Drills bedeutet Unterricht in Kleingruppen bei einer „persönlichen“ Lehrerin. Das Ziel der Drills ist es das gerade Gelernte direkt anzuwenden, bestand aber eigentlich nur aus dem Anpassen verschiedenster Verben und Adjektive an die jeweiligen Klassen, oder dem Nachsprechen von Sätzen zum Trainieren der Aussprache. Um vier Uhr war der Unterricht dann vorbei und es gab den Nachmittags-Chai. Den restlichen Tag hatten wir frei. Um sechs gab es Abendessen, das sich nur in den Beilagen zum Reis von dem Mittagessen unterschied. Aber in den zwei Wochen habe ich schon fast jedes landestypische Gericht gegessen. Sei es Ugali (Maisbrei, der nach nichts schmeckt), Chipsi (frittierte Kartoffeln), Chapati (sieht aus wie Pfannkuchen, ist aber aus Maismehl), Mandazi (frittierte Taigbällchen) und vieles mehr. Abends haben wir uns dann im Gemeinschaftsraum getroffen, um  „Werwolf“ zu spielen (andere Spiele gab es auch, aber nichts geht an Werwolf vorbei). Die Stimmung war immer gut und die anderen Freiwilligen super nett, hilfsbereit und rede- bzw. diskussionsfreudig. 
In diesem Alltag waren wir von Montag bis Freitag. Freitagnachmittags gab es ein großes Fußballspiel. Ein Team der Secondary School gegen ein Team der Sprachschule, bestehend aus uns Schülern und ein paar Lehrern. Wir haben 4:2 verloren, uns aber besser geschlagen als gedacht.

Am Samstag ging es dann früh morgens um fünf Uhr los mit dem Bus in den Mikumi Nationalpark! Meine Vorfreude war riesig groß. Dann im Nationalpark angekommen, war ich natürlich von allem anfangs richtig fasziniert. Die Weite der Landschaft war atemberaubend und natürlich vielen Tiere… Giraffen, Zebra, Antilopen, Gnus, Paviane. Aber wir haben auch Flusspferde und Krokodile, sogar einen Angriff auf einen Pavian, Elefanten und Löwen gesehen… Aber mit der Zeit wurde das alles ein bisschen langweilig… Jedes neue Tier war faszinierend, aber irgendwann gab es nichts Neues mehr und es wurde richtig eintönig, wenn wir auf der Suche nach dem nächsten Löwen durch die Savanne fuhren. Im Anschluss an die Safari, ging es noch in einen Snake-Park, in dem sämtliche Schlagen Tansanias hinter Glasscheiben zu bewundern und Krokodile und Schildkröten in Gehegen zu sehen  waren. Als wir endlich auf dem Heimweg waren, war ich richtig froh. Das hat erst einmal gereicht.
Sonntag war abends ein Festival in Morogoro. Es war eine Mischung aus tansanischem Hip-Hop und sogenanntem Bongo-Flavour (keine Ahnung, ob es richtig geschrieben ist). Gefühlt die ganze Stadt war auf den Beinen und wir Freiwilligen mittendrin. Es hat richtig viel Spaß gemacht, aber man musste super aufpassen. Einem Freiwilligen wurde dort das Handy geklaut. Alles in Allem war es aber ein lustiger, sehr entspannter Abend mit guter Musik!
Der Montag war dann konzentrationstechnisch natürlich im Eimer, aber langsam wurde es auch zu viel Stoff, nichts blieb mehr richtig hängen und man hätte sich täglich noch mehrere Stunden zur Nachbereitung des Gelernten hinsetzen müssen. Daher war ich ganz froh, dass am Mittwoch die Möglichkeit bestand in den Bergen wandern zu gehen. Die Tour ging auf den Trampelpfaden der Gebirgsbauern, die auf ihren Plantagen neben Bananen auch Erdbeeren (!!!) anbauen, hinauf zu einem Haus aus der Kolonialzeit. Es war sehr Anstrengend, denn es gab keine Wanderwege, wie wir sie aus Deutschland kennen, es ging über Stock und Stein. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt. Die Aussicht war atemberaubend und fantastisch. Und es besteht keine Möglichkeit diesen Blick in einem Foto festzuhalten.

Die letzten Tage sind dann wie im Flug vergangen. Wir haben ca. die Hälfte des Ordners, den wir bekommen haben durchgearbeitet und ich war froh, dass es erstmal dabei blieb. Ich war nicht mehr so richtig aufnahmefähig. Freitag stand dann ein Abschlusstest an, der nicht so schwierig war, wie befürchtet. Abends gab es dann noch ein kleines Festessen und im Anschluss ging es noch in eine kleine Bar. Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Bus und fast allen die in den Norden mussten zurück nach Moshi.

Fazit zum Sprachkurs: Ich kann jetzt deutlich besser die Sprache als vorher und habe auch ein gutes Gefühl, dass ich hier Swahili weiter lernen werde. Vor allem aber war der Sprachkurs super, da wir die vielen anderen Freiwilligen kennenlernen konnten und jetzt fast überall im Land Kontakte haben.
Jetzt sitze ich hier im Umoja Hostel im Innenhof, und warte gemeinsam mit Justus und Johanna darauf, dass wir hier irgendwie abgeholt werden. Ich weiß leider immer noch nicht, wo ich wohnen werde, wann ich anfangen soll zu arbeiten und so weiter… Hoffentlich klappt alles

Das alles zusammenzufassen ist gar nicht so leicht, wie gedacht.
Ich werde mich dann demnächst mal wieder melden auch mit Fotos, vielen Dank fürs Lesen.
Kwa heri

Freitag, 6. September 2013

Erste Eindrücke




Es ist jetzt ungefähr sechs Uhr am Abend, die Sonne geht unter. Das Ende des Tages wird angekündigt durch verschiedenste exotische, Reiher ähnliche Vögel, die sich über unseren Köpfen in den Bäumen zum Schlafen niederlassen. Mein erster Tag in Tansania ist um.

Momentan sitze ich im Innenhof unseres Hostels, dem Umoja Lutheran Hostel. Es liegt mitten in Moshi, viel zentraler geht es nicht mehr, zumindest glaube ich das. 

Was ist alles passiert bis jetzt? – Zu viel um an dieser Stelle alles in Worte zu fassen.

Es begann mit dem Flug und dem traurigen Abschied von meiner Familie am Flughafen in Hannover. Über den Zwischenstopp Amsterdam ging es mit dem Flugzeug zum Kilimajaro International Airport. Dort landeten Johanna, Justus und ich abends gegen acht Uhr Ortszeit, nach einer Reisezeit von ca. 16 Stunden. Es war stock finster. Ich war total müde, aber gleichzeitig auch aufgeregt und angespannt. Was erwartet uns?
Vom Flugzeug aus ging es zu Fuß hinüber zum Flughafengebäude. Dort im Eingangsbereich warteten zahlreiche Afrikaner mit Schildern und Namen darauf - unsere waren nicht dabei. Wo war Mr. Kimaro, der unsere Visumsunterlagen hatte? Wir standen erstmal hilflos und verloren rum und müssen auch so ausgesehen haben, denn ein Sicherheitsmann kam auf uns zu. Wir schilderten unser Problem und Justus durfte kurz das Flughafengebäude verlassen. Als er zurück kam, hatte er eine gute und eine relativ schlechte Nachricht für Johanna und mich: Mr. Kimaro warte draußen und wir müssen uns erstmal ein Touristenvisum für 90 Tage besorgen. Also machten wir uns ans Ausfüllen der Einreiseunterlagen, kamen dann aber auch problemlos ins Land. Gepäck holen (wir waren die Letzten, im Flughafengebäude) und dann raus. Wir sind jetzt da!
Draußen erwarteten uns Mr. Kimaro gemeinsam mit Frank und James. Sie waren sehr freundlich und fuhren uns mit dem Jeep nach Moshi, das 40 km vom Flughafen entfernt liegt. Linksverkehr - gewöhnungsbedürftig. Trotz der Dunkelheit war auf den Straßen noch viel Betrieb, das hatte ich nicht erwartet. Vom Land haben wir aber noch nichts gesehen. Während der Fahrt erzählten uns die Afrikaner so einiges, testen unser Swahili-Wissen und brachten uns neue Wörter bei.
Im Hotel beziehen der spartanisch eingerichteten Zimmer, Installation der eigenen Moskitonetze, Zähneputzen mit Wasser aus der Flasche und dann ab ins Bett.

Nächster Morgen, Frühstück mit Rührei, Würstchen, frischen Orangen und einem Pfannkuchen oder etwas was dem sehr nahe kam. Hygiene wird hier übrigens groß geschrieben. Vor dem Essen immer die Finger waschen! Aber auch in unserem Bad funktioniert alles. Nach dem Frühstück saßen wir relativ verloren im Innenhof des Hostels herum, was sollen wir machen, kommt noch jemand? Ist etwas für uns geplant? Schließlich kam dann Mr. Kimaro (ich muss mich an dieses Ungeplante noch gewöhnen und mich in tansanischer Gelassenheit üben). Mit seinem Wagen ging es zum Headquarter der Diözese. Dort auf die Dachterrasse und erstmal den Ausblick genießen, ok so viel hat man nicht gesehen, der Kili war in den Wolken, aber es war trotzdem schön und (es war inzwischen ca. halb zwölf) in der prallen Sonne ganz schön warm. Dann ging es ins Gebäude und Mr. Kimaro stellte uns noch einem wichtigen Menschen vor, ich weiß aber nicht mehr wer es war. Interessanter war, dass ich im Headquarter meine Arbeitsstelle sehen und erste Kollegen kennenlernen konnte. Alle sehr nett!

Mit Kimaros Hilfe haben wir uns dann noch tansanische SIM-Karten geholt und Geld abgehoben, 
dann sind wir zurück zum Umoja.

Lunch: Lecker, tansanisch, Kochbananen, Hähnchen, natürlich Reis und vieles mehr.

Nachmittags waren wir alleine auf Erkundungstour in der näheren Umgebung. Die Straßen sind hier immer voller Leben, so kommt es mir zumindest vor. Zu dem am Morgen schon gesehenen, gesellen sich nun auch noch Kinder und Jugendliche hinzu. Alles ist in Bewegung. Impressionen von überall, vieles ist fremd, beispielsweise die Straßenhändler, sie verkaufen alles was man zu alltäglichen Leben so braucht. Es gibt keine Supermärkte, sondern einen großen Markt. Dort bekommt man wirklich alles, vom lebendigen Huhn bis hin zum Kochtopf. Anders als ich es erwartet hatte, wurden wir nicht von jedem Händler angesprochen sondern hatten eine relative Ruhe um uns herum. Schön. Außerdem hatte ich mit mehr Touristen gerechnet.

Zurück im Hostel. Ich sitze hier im Innenhof und versuche ins WorldWideWeb  zu kommen, das wLan ist hier nicht so gut, was auch daran liegen kann, das ich es mir mit gefühlt zwanzig anderen Gästen teilen muss. Tansanische Gelassenheit ist gefragt... mal wieder.

Inzwischen ist der nächste Tag, das hier zu posten hat nicht mehr geklappt ich versuche es jetzt nochmal… übrigens sind wir alle bis jetzt von den Moskitos verschont geblieben. Ein kurzer Ausblick noch: Heute erkunden wir noch ein bisschen Moshi, besorgen uns Verpflegung, treffen uns mit unseren Mitreisenden und kaufen die Bustickets. Morgen geht es dann mit dem Bus nach Morogoro zum Sprachkurs. 600 km – wir freuen uns schon!
Kwa heri!